Ist Hilfe käuflich?

Im Unterricht höre ich oft: «Wenn ich mein Handicap verbessert habe, dann kaufe ich mir neue Schläger.» Doch macht das Sinn?

Wenn ich diese Aussage auf das Skifahren übertrage, so heisst das: Ich kaufe mir erst Carvingski, wenn ich mit meinen langen, schmalen Spaghetti-Ski besser fahre. Doch wer fährt heute noch mit einem Alpinski?

Carvingskis lösten eine Revolution aus. Nach der ersten Probefahrt war klar: maximaler Fahrspass – will ich!

Gibt es das beim Golf auch? Natürlich. Wir sind ja keine Maschinen und machen nicht jeden Schwung im selben Rhythmus, mit demselben Krafteinsatz – genau darum sind wir auf der Suche nach Material, das unsere Schwächen ausbügelt. Ingenieure der grossen Brands beschäftigen sich täglich damit, Schläger so weiterzuentwickeln, damit wir besser Golf spielen.

Bei Puttern sieht man Innovationen auf den ersten Blick. Neben dem klassischen Bladeputter benutzen auch die Tour Pros immer öfter die breiten Putterköpfe, weil sie weniger zur Verkantung neigen. Zudem helfen längere Ziellinien beim Ausrichten. Da der Putter der meistbenutzte Schläger ist, empfehle ich eine Putt-Analyse. Sie zeigt dir, welchen Putter du benutzen solltest und wie du deine Putt-Technik verbessern kannst.

Bei den Eisen helfen die «Super Game Improvement»-Schläger. Ein moderner Eisenkopf besteht aus mehreren aufeinander abgestimmten Komponenten, um mehr Schlaglänge bei hoher Fehlertoleranz zu erzielen.

Untersuchungen belegen, dass Golf aus koordinativer Sicht nach Stabhochsprung die zweitschwierigste Sportart der Welt ist. Beim Golfschwung sind über 160 Muskeln beteiligt. Das verlangt nach Präzision. Denn bei Spielern, die ihren Driver 200 Meter weit schlagen, beträgt die Kontaktzeit von Schlägerkopf und Ball weniger als eine halbe Millisekunde. Eine Verdrehung des Schlägerkopfes im Treffmoment um 2 Grad nach rechts bewirkt eine Slicekurve von etwa 20 Metern nach rechts.

Kann ich mir Hilfe gegen Rechtskurven kaufen?
Ja! Ein Materialexperte wie dein Pro oder ein Clubfitter kann einen Driver so zusammenstellen, dass er gegen den Slice wirkt. Es beginnt mit der Auswahl des Schaftes. Der Schaft sollte kürzer, weicher und leichter sein – mit passendem Torque und Kickpoint. Bei manchen Herstellern lässt sich eine Einstellung für mehr Flughöhe und gegen Slice vornehmen.

Zudem bietet jeder Hersteller verschiedene Driverköpfe mit unterschiedlichen Schwerpunktspositionierungen innerhalb des Kopfes an, um die Performance je nach Bedarf des Spielers punkto Ballgeschwindigkeit, Abflugwinkel und Spin zu optimieren.

Ausserdem verzeihen neue Schlagflächendesigns und Karbonkonstruktionen mehr Fehler.

Wann sollte ich am besten Schläger kaufen?
Ich empfehle Herbst/Winter, da man einige Zeit braucht, um sich an das neue Schwunggefühl und die Schlaglängen zu gewöhnen. Falls deine Schläger älter als 10 Jahre sind, wird man bei einem Fitting wohl den «perfekten» Schläger für dich entdecken. Und ich kann aus eigener Erfahrung garantieren, dass du mit neuem Material weitere Bälle schlägst als vor 20 Jahren. Und somit mehr Spass hast!

Wer auf diese Unterstützung trotzdem verzichtet, den müsste ich im Winter auch wieder mit Spaghetti-Ski antreffen – der verdient neben meinem Respekt allerdings auch mein volles Mitleid.

Ralf Lehmann

Dipl. Sportwissenschaftler
PGA Master Professional

Wissenswertes Ralf Lehmann hilft Golfern
seit 25 Jahren mit einfachen und effektiven Methoden, ihr spielerisches Potenzial zu entfalten. Er ist seit über zehn Jahren in der Swiss PGA registriert und hat unter anderem folgende Ausbildungen absolviert: PGA Master Professional, Diplom Sportpädagoge (Universität Tübingen), TPI-zertifizierter Golf-Fitnesscoach, Experte für Rhythmus- und kurzes Spiel. Ausserdem wurde er von «QualiCert» als gesundheitswirksamer Golf Pro zertifiziert und referierte für das Bundesamt für Sport in Magglingen.

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