GolfMountain

Golfen auf der Engstligenalp ist anders: Dort, wo im Sommer Kühe weiden, wird im Herbst zehn Wochen lang Golf gespielt – ein einzigartiges, anspruchsvolles Golf-Erlebnis in idyllischer Bergwelt im Berner Oberland.

«Wo ist er hin? Siehst du ihn?», fragt Barbara nach ihrem Abschlag. «Weiss nicht genau, irgendwo dort hinter den Felsen muss er liegen . . .», antwortet Peter. Die Suche nach dem Golfball gestaltet sich auf der Engstligenalp ab und zu etwas schwierig. Perfekter Abschlag, schöne Flugbahn, aber bei der Landung beginnt der Ball auf der Fläche des alpinen Hochplateaus vergnügt zu hüpfen, als hätte er es den jungen Geisslein abgeschaut, die im Sommer zusammen mit dem Vieh die Alpweiden bevölkern. Man findet ihn in einer Senke, hinter einem Stein oder, wie heute, öfters auch im herbstlichen Neuschnee, versteckt in der weissen Pracht.

Barbara Brauen, Peter Hug, Irene und Tino Borter aus Nidau haben sich für eine herbstliche Golfrunde auf der Engstligenalp hoch über Adelboden im Berner Oberland verabredet. Die vergangenen zwei Tage war der Golfplatz wegen Schneefall geschlossen. Nun aber freuen sich die Seeländer über einen prächtigen Spätherbsttag in herrlicher Umgebung. Immer noch liegen vereinzelte Schneeflecken auf der Ebene und die nahen Berge schmücken sich mit dem frischen, kühlen Zuckerguss. Barbara und Peter spielen schon länger Golf, Irene und Tino haben vor Kurzem die Platzreife erreicht und sind bereit, sich der Herausforderung dieses ganz besonderen Golfkurses zu stellen.

Die 18-Loch-Anlage liegt auf der grössten Hochebene der westlichen Schweizer Alpen auf 2000 Metern über Meer – umgeben von einem Auengebiet nationaler Bedeutung. Der Berg gehört den Sennen, welche die Alp im Sommer bewirtschaften. Sobald das Glockengeläut verstummt ist und die Bauernfamilien mit ihren Tieren wieder ins Tal gezogen sind, beginnt Röbi Hari, Leiter und Initiator von GolfMountain, mit dem Aufbau der Golfanlage. Dafür bleibt jeweils nur eine Woche Zeit, danach wird auf der Alpweide während zehn Wochen Golf gespielt. Der Platz wird jedes Jahr neu ausgesteckt, wodurch sich auch das Par-Total von Jahr zu Jahr ändert. «Bäche, Steinsektionen und schnell wechselnde Winde sorgen für einen hohen Schwierigkeitsgrad», erklärt Hari.

Beim Ausstecken des Kurses müssen die Eigenheiten der Anlage berücksichtigt und geplant werden: «Damit die Golfer nicht auf Kuhfladen spielen müssen, spreche ich mich im Vorfeld jeweils mit den Bauern ab», erklärt Hari. «Wir besprechen, welche Zone im aktuellen Jahr gedüngt wird.» Den Kurs setzt er dann geschickt um diese speziellen Hindernisse herum.

Die Nidauer Golfer sind unterdessen bei Loch 9 angelangt. Hier ist der Ball leichter zu finden, denn sie stehen mitten auf der alpinen Hochebene und finden keine besonderen topografischen Hindernisse vor. Peter setzt seinen Holz-Tee ins Gras und schlägt den Ball weiter in Richtung Loch. «Zum Schutz des Bodens wird hier permanent geteet, nicht nur beim Abschlag. Erlaubt sind ausschliesslich Tees aus Holz. Plastik ist verboten», sagt er. Dies ist eine der Auflagen, die die Naturschutzbehörde an die Verantwortlichen von GolfMountain stellt. Zudem dürfen die gekennzeichneten geschützten Zonen nicht betreten werden, und Golfern wie Wanderern wird nahegelegt, keinen Abfall in der Natur liegen zu lassen. Die Vertiefungen für die Holes werden gestanzt, und die Grasmutte muss nach der kurzen Golfsaison an derselben Stelle wieder eingesetzt werden. Ansonsten wird bei GolfMountain nach klassischer Etikette und Wintergolf-Regeln gespielt.

Unterdessen hat der Flight im Loch 9 erfolgreich geputtet und marschiert weiter. Nicht ganz uneigennützig wurde der Kurs von den Betreibern so angelegt, dass die Golfer nach neun Löchern an der Alphütte der Familie Aellig, bekannt auch als Raclettehütte, vorbei müssen. Auch die Seeländer nehmen die Gelegenheit für eine Pause wahr und setzen sich in die Gartenwirtschaft neben der Sennhütte. Es gibt Kaffee, Kuchen, Nussgipfel und allerhand Getränke, um sich für die zweite «Halbzeit» zu stärken. «Nach der Golfrunde kehren die Sportler gerne zurück und geniessen ein Raclette», freut sich Greenkeeper Toni Schmid. «Die Bergluft regt den Appetit an.» Er hat sich zur Gruppe gesellt und unterhält sich mit seinen Gästen. Sein Humor und das Lachen sind ansteckend, man fühlt sich wohl und entspannt in dieser Atmosphäre mit der grandiosen Aussicht über die weite Fläche hinüber zu den umliegenden Berggipfeln.

«Manchmal machen uns Wind und Wetter einen Strich durch die Rechnung», erzählt Toni. «2020 mussten wir den Golfplatz wegen der Wetterverhältnisse während drei von zehn Wochen schliessen. Dieses Jahr haben wir mehr Wetterglück.» Neben Wind und Schnee können auch der Nebel oder spontane, schnelle Wetterwechsel die Golfrunde vermiesen. «Es kommt immer wieder mal vor, dass wir mit dem Cart ausrücken müssen, um Leute im Nebel zu suchen, die den Weg nicht mehr finden. Die Orientierung bei dichtem Nebel ist auf dieser riesigen Fläche sogar für uns schwierig. Verloren haben wir aber noch niemanden!», lacht er. «Wir wissen ja, wer sich auf dem Kurs befindet, und schauen zwischendurch immer wieder, wo sich die Golfer gerade aufhalten.»

Der Seeländer Flight hat seine Runde erfolgreich beendet: Tino Borter, Peter Hug, Barbara Brauen und Irene Borter.

Um den Golfplatz führt ein beliebter Rundwanderweg. Deshalb werden die Bahnen so angelegt, dass keine Golfbälle in Richtung Wanderer fliegen. Trotzdem ist gegenseitige Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme gefordert, denn der Golfplatz ist nicht durch einen Zaun oder sonstige Absperrungen gesichert. «Die Golfer achten vor dem Abschlag sehr gut darauf, dass sich keine Menschen in der Nähe befinden und von einem Ball getroffen werden könnten. Auch die Wanderer wissen über den Golfplatz Bescheid und bewegen sich deshalb mit besonderer Vorsicht. Probleme diesbezüglich oder sogar Unfälle hatten wir noch nie», bestätigt Pascale Maeder, Projektleiterin von GolfMountain.

Beginn und Ende der Golfsaison auf der Engstligenalp können von Jahr zu Jahr variieren: Erlauben es die Wetterbedingungen und der Graswuchs, bleiben die Sennen im Spätsommer etwas länger auf der Alp. Frühzeitige Absprache und gegenseitiges Verständnis sind deshalb Grundvoraussetzungen für Planung, Aufbau und einen problemlosen Betrieb. Toni Schmid bestätigt das gute Einvernehmen mit den Älplern: «Am Anfang waren einige der Sennen schon etwas skeptisch gegenüber dem neuen Angebot auf ihrer Alp. Mittlerweile läuft die Zusammenarbeit jedoch problemlos.» Die Wichtigkeit des Tourismus für die Alp ist den Sennen bewusst, denn sie sind auf die Bahn angewiesen. Es führt keine Strasse hoch, und der Weg ist weit. Ausserdem werden in der Raclettehütte Käse, Wurst und weitere Alpprodukte verkauft, was ihnen ein Zusatzeinkommen beschert. «Anfangs hatten die Bauern Bedenken, dass wir so spät im Jahr noch Gras mähen», erinnert sich Toni. «Aber die Befürchtung, dass das Gras schlecht nachwachsen würde, hat sich als unbegründet erwiesen. Im Gegenteil, der Graswuchs an den gemähten Stellen blieb gleich oder wurde sogar üppiger!»

Ganz am Ende des Golfplatzes findet man eine weitere Besonderheit des GolfMountain auf der Engstligenalp: das Loch Nummer 19, auch «Panoramaloch» oder ganz simpel «Schnapsloch» genannt. Das ist Toni Schmids Erfindung, und er erklärt seinen Gästen schmunzelnd die besondere Regel: «Wer hier in einem Flight verliert, bezahlt am Ende eine Runde Schnaps in der Raclettehütte!»

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GolfMountain Engstligenalp

GolfMountain ist ein gepflegter Golfplatz in den Alpen. Bespielt wird er nach klassischer Etikette und Wintergolf-Regeln. Die 18 Löcher erreichen Par 3 bis Par 5, woraus sich ein Gesamtpar von 64 ergibt. Einzigartig beim Alpengolf ist die Naturkulisse, in die der Platz eingebunden ist: Die Berglandschaft lässt die Hektik des Alltags schnell vergessen. So fällt es leicht, sich voll auf das Spiel und die innere Ruhe zu konzentrieren.

Öffnungszeiten: Jeweils während zehn Wochen im September und Oktober, täglich von 10.00 bis 16.00 Uhr

Anreise: Du erreichst GolfMountain mit der Gondelbahn Engstligenalp( Adelboden).

Nach der Runde über den Alpen-Golfplatz lädt die heimelige Sennhütte zum Engstligen-Raclette ein.

TEXT UND BILDER: MONIKA GROSSEN RODRIGUEZ

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