24 hours Golf

Lofoten Links ist ein Golfplatz für die Bucket List:
Als nördlichster Linkskurs der Welt bietet er Polarlichter und Mitternachtssonne vom Feinsten.

Lofoten Links ist das Golf-Nirwana, das Mekka des Spiels mit der weissen Kugel. Rund um die Uhr – oder bis einen die Kraft verlässt – einen Golfplatz bespielen, ohne die Runde wegen Dunkelheit abbrechen zu müssen. Für viele Golfende ein Traum, der hier am nördlichsten Zipfel der Lofoten-Insel Gimsøy Wirklichkeit wird. Lofo­ten Links heisst der 18-Loch-Championship-Platz, auf dem die Golfrunde niemals endet. Möglich macht es die Lage dieses besonderen Ortes, auf dem 68. Breitengrad, rund 150 Kilometer über dem nördlichen Polarkreis. Denn zwis­chen Ende Mai und Ende Juli scheint die Mitternachtssonne ohne Unterbruch. Und welche Sorten von Golfenden nutzt das? «Normale Golf-Idioten wie wir alle», erklärt Frode Hov mit einem breiten Grinsen.

Der blonde Nordmann mit dem grau melierten Bart ist Besitzer und Erbauer dieses abgele­ge­nen Golf-Naturparadieses zwischen mächtigen Bergen und dem arktischen Ozean. Der nächste Flughafen mit Anbindung zum Festland Norwegens liegt 50 Kilometer entfernt in Leknes. Die Fahrt von da zum Lofoten Links führt entlang spektakulärer Fjorde, Berge und Seen. Zur weitläufigen Anlage gehö­ren – neben dem Golfplatz und dem kleinen Clubhaus mit Restaurant im Baracken-Stil – zehn Ferienhäuschen, ein weiteres Restaurant und ein Stall voll kurzbeiniger Lofo­tenponys für geführte Ausritte. Seit dem 17. Jahrhun­dert ist die Hov-Familie an diesem sonst nur spärlich besiedelten Flecken Erde ansässig. Man kann sich Frode gut als Wikinger vorstellen, auch wenn er Familienbande zu den Wikingergräben auf seinem Land mit einem zweideutigen Augenzwinkern verneint. Volle Verantwor­tung übernimmt er aber gerne für den 18-Loch-Golfplatz. Diesen hat er nach der Idee seines Vaters 1998 als kleinen 6-Loch-Platz gestartet, der sich rasch grosser Beliebtheit erfreute. Vornehmlich Golfende von den benachbarten Inseln und aus Norwegen fanden anfangs den Weg hierher. Die einmalige Lage auf dem abgeschiedenen Zipfel Erde machten den kleinen Golfplatz rasch über die Landesgrenze hinaus bekannt.

«Während auf dem gleichen Breitengrad in Alaska Permafrost herrscht, haben wir hier die Möglichkeit, dank des war­men Golfstroms Fairways und Greens anzulegen», erklärt Frode Hov. Zusammen mit dem Platzarchitekten Jeremy Turner und Superintendent Jeremy Mulvihill baute er die Golfanlage zu den heutigen, 6029 Meter (ab Weiss) langen 18 Löchern aus. Als Inspiration dienten ihm unzählige Besuche von Linksplätzen in Grossbritannien. «Der Platz von Old Prestwick in Schottland inspirierte mich dabei am meisten. Er war jedesmal eine grosse Herausforderung zum Spielen und fasziniert mich in seiner Ausgeklügeltheit.» Der Bau von Lofoten Links auf dem steinigen Untergrund sei eine Herausforderung gewesen. Und die klimatischen Bedingungen machen die Grünpflege auch nicht einfach. Aber das Resultat braucht sich nicht zu verstecken. Seit 2015 gehört Lofoten Links in der Golfwelt zu den spektakulärsten Plätzen überhaupt. Das Golf World Magazin zählt ihn zu den Top-100-Plätzen weltweit, und in Norwegen belegt er laut www.top100golfcourses.com den ersten Rang. Nach Tipps gefragt, welche Spielbahnen wie zu meistern sind, antwortet Frode Hov: «Geht raus, spielt eine Runde, und dann werdet ihr schon sehen, welche Stellen euch Schwierigkeiten bereitet haben.» Na dann, viel Spass.

Unsere Empfehlung für jede Runde auf Lofoten Links: Vor dem Start unbedingt eine gute Stärkung zu sich nehmen – sowie das Birdie-Book genau studieren! Ausser Loch 15, einem geraden und kurzen Par-4, stellt jede Spielbahn für sich eine grosse Herausforderung dar. Wer wie wir auf der am Meer gelegenen 1 beginnt, bekommt unmittelbar vorgeführt, was ihn die nächsten Stunden erwartet: schmale Fairways sowie Wasser- und Felshindernisse in allen Variationen. Man kann sich glücklich schätzen, wenn sich das Wetter gnädig zeigt. Denn bereits bei Loch 2 wartet mit einem Par-3-Inselgrün das meistfotografierte Signature Hole darauf, präzise angespielt zu werden. Spielt man mit der Mitternachtssonne, kommt hier noch der blendende Feuerball über dem Horizont erschwerend ins Spiel. Man tut übrigens gut daran, auf Lofoten Links auch als zügig spielender Viererflight mindestens fünf Stunden für die volle Runde einzuplanen. Denn einerseits ist die Szenerie bei jedem Loch so atemberaubend, dass immer wieder Fotos geschossen werden müssen. Andererseits ist es nicht immer einfach, beim ersten Mal auf der Anlage den nächsten Abschlag zu finden. Die sind
übrigens nicht mit Farben gekennzeichnet, sondern mit Tee 61, 55, 48 und 42. Die Empfehlung dazu im Birdie-Book: Wähle den passenden Abschlag frei, deiner Spielstärke entsprechend.

Spätestens bei Loch 6, einem kurzen, von Felsen eingerahmten Par-3 hügelauf, nimmt man den nächsten Ballverlust mit einem Lachen hin. Denn der Lochbeschrieb warnt ja explizit davor: «If not on line, you will see your ball ping pong from rock to rock.» An das Ball-Pingpong gewöhnt man sich rasch. Der einmalige Weitblick auf die Berglandschaft der Lofoten auf den Spielbahnen 5 bis 11 sowie auf die unmittelbar an den Kurs angrenzenden Seen bei den Löchern 12 bis 18 und 1 bis 4 dagegeben bleiben auf der ganzen Runde einzigartig. Auch davor wird man im Birdie-Book vom Superintendenten Mulvihill ironisch gewarnt: «Lofoten Links ist ein aussergewöhnlich schöner Platz in einem tollen Teil der Welt. Die Natur hier ist wunderschön – aber dieser Kurs kann dich beissen, wenn du ihm nicht mit genügend Respekt begegnest.»

Erst am Abend nach der Runde, wenn man die Geschehnisse des Tages Revue passieren lässt, realisiert man, welch bleibende Eindrücke diese Golfrunde hinterlassen hat. Demütig nimmt man die Unzulänglichkeiten des eigenen Spiels zur Kenntnis – man könnte gar ins Grübeln geraten. Aber da sind ja noch die flirrenden Nordlichter über dem Meer, welche des Nachts ab August am Horizont sichtbar sein können. Sollte man sich besser darauf fokussieren anstatt auf Golf? Oder doch lieber wiederkommen und 24 Stunden durchspielen? Lofoten Links lässt einem die Qual der Wahl …

Kein Sonnenuntergang
Das Phänomen der Mitternachtssonne ist auf dem Golfplatz Lofoten Links auf der Insel Gimsøy in der Regel von Ende Mai bis Mitte Juli erlebbar. In diesen Sommermonaten geht die Sonne auf ihrer täglichen Himmelsbahn nördlich des nördlichen Polarkreises auch zum Zeitpunkt des tiefsten Sonnenstandes nie unter. Im Gegenzug dauert die dunkle Polarnacht ohne Sonnenaufgang gleichenorts von Anfang Dezember bis Anfang Januar an.

Text: Thomas Borowski

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